Telefon, Schraubendreher, Kamera aus Bakelit

FormVollendet? Bakelit verändert den Alltag

20. Februar 2022 - 19. Februar 2023

Wir widmen uns in unserer neuen Sonderausstellung „FormVollendet? Bakelit verändert den Alltag“ dem Phenolharz der Marke „Bakelit“. Sie zeigt wichtige Meilensteine in der Nutzung von Phenolharzen von der Entwicklung formvollendeter Designs bis zur zweckmäßigen Verwendung in technischen Bereichen.
„Ich habe ein Patent für eine Substanz angemeldet, die ich Bakelite nennen werde“, berichtete der Chemiker Leo Baekeland 1907 stolz in seinem Tagebuch. Die Produktpalette des von ihm entwickelten Stoffs reichte von der Steckdose übers Radio bis hin zu seriellen Hausbauelementen. Festigkeit, Isolationsfähigkeit, Säureresistenz und Hitzebeständigkeit überzeugten viele Kunden vom Bakelit. Phenolharzprodukte sind heute vor allem aufgrund ihrer zeitlosen Gestaltung in der Erinnerung vieler Menschen erhalten. Das stromlinienförmige Design steht für einen formvollendeten Look.

Zur Geschichte des Bakelit

Das industrialisierte 20. Jahrhundert brachte zunehmend den Bedarf nach günstigen, schnell zu verarbeitenden Materialien hervor. Serielle Fertigung und moderne Massenproduktion wurden durch die Erfindung von Kunststoffen beschleunigt. Der Chemiker Leo Hendrik Baekeland erkannte diese Zeichen der Zeit und meldete 1907 ein Patent für seine Erfindung an: Ein Phenolharz, das er auf den Namen „Bakelit“ taufte. Dieses konnte günstig und schnell in großen Mengen produziert werden. Bald schon erhielt Baekeland den Spitznamen „der Vater des Kunststoffs“.
Anfangs dienten Phenolharze vorrangig für die Fertigung von technischen Teilen wie Schalter und Isolationselementen. In den 1920er-Jahren wurde es durch Designer entdeckt, die mit den in Form gepressten Elementen die modernen Stromlinienformen aufgriffen. Nur ein Jahrzehnt später waren Phenolharze in großem Umfang im Alltag angekommen. Nach dem Auslaufen von Baekelands Patenten boten nun auch andere Produzenten Phenolharzprodukte in vielfältigen Ausführungen an. Hinter schwungvollen Namen wie „Festellan“ und „Philite“ versteckten sich Nachahmerprodukte, die großen Absatz fanden.
Der Zweite Weltkrieg fördert die Verwendung von Phenolharzen insbesondere auf dem militärischen Sektor. Die Nationalsozialisten nutzten die kostengünstige Produktionsmöglichkeit etwa für die Herstellung des Volksempfängers und preisten den Stoff propagandistisch als Deutsche Erfindung an. In der Nachkriegszeit kamen die erdfarbenen Phenolharze allmählich aus der Mode. Buntere und vielseitigere Kunststoffe hielten Einzug in den Alltag, konnten Bakelite jedoch nicht verdrängen. Phenolharzprodukte werden noch heute produziert, so etwa für Bremsscheibenbeläge und Hitzeschilde.
„Der Typ Trabant ist ein schnittiges, elegantes und temperamentvolles Auto“ verkündete die Betriebsanleitung des Trabi-P50 1958 selbstbewusst. Die neckischen Spitznamen „Rennpappe“ und „Plastebomber“, die das Auto alsbald im Volksmund erhielt, verrieten jedoch das Geheimnis des kultigen Fahrzeugs: Der 1948 gegründete VEB Plasta Erkner produzierte in der DDR Phenolharze unter dem Namen Plastadur. Größter Abnehmer wurde das Trabant-Werk in Zwickau, das Teile der Karosserien aus einem Phenolharz-Baumwoll-Gemisch fertigte. Dies hatte zur Folge, dass die ersten Modelle des Trabanten kaum mehr als 600 kg wogen.

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