Geschichte des Museums

Das Wiederaufbauteam des Museums 1961

Die Gründung des Museums

Gründer und Träger des LVR-Freilichtmuseums Kommern ist der Landschaftsverband Rheinland. Die Planungen für ein solches Museum, als dessen Standort zunächst das Gelände um die Burg Linn in Krefeld vorgesehen war, nahmen 1955 konkrete Gestalt an. Aufgrund einer Ausschreibung für ein geeignetes Museumsgelände im Oktober 1957 bewarb sich neben mehr als dreißig anderen Gemeinden auch die damalige Gemeinde Kommern um den Museumsstandort.

Nach Prüfung der Angebote wurden vier Standorte in die engere Wahl gezogen und unter diesen am 28. März 1958 durch Abstimmung in der Landschaftsversammlung Kommern ausgewählt. Erster Direktor des Museums wurde Dr. Adelhart Zippelius. Er hat es von der Gründung bis 1981 geleitet. Der Aufbau der historischen Museumsbauten stand unter der Leitung des Hausforschers Gerhard Eitzen, der schon in der Vorbereitungsphase durch eine systematische Bereisung des Rheinlands die wissenschaftliche Grundlage für die bauliche Museumsgestaltung erarbeitete, für das Museum geeignete Bauten ermittelte und durch Aufmaße dokumentierte. Viele der heute im Freilichtmuseum stehenden Gebäude wurden bereits in diesen ersten Jahren gefunden und für den Fall ihres Abbruchs für das Museum gesichert. Insbesondere für einige der ältesten und baugeschichtlich wichtigsten Bauten, die damals schon in Verfall oder vor dem Abbruch standen, kam die Übernahme durch das Freilichtmuseum gerade noch rechtzeitig.

Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, die Zusammenlegung und Technisierung der bäuerlichen Betriebe, Flurbereinigung und Aussiedlung der Anwesen aus den Dörfern wurde ein großer Teil der Altbauten funktionslos. Ebenso führte die Modernisierung der Wohnverhältnisse zum Umbau oder Abbruch vieler alter Fachwerkhäuser. Auf diese Weise verschwanden Jahr für Jahr mehr dörfliche Baudenkmäler. Straßenbauten und Straßenerweiterungen, Hofraumerweiterungen und Anlage von Parkplätzen trugen ebenso zur Reduzierung des Bestands an Altbauten bei. Mit den Mitteln der Denkmalpflege konnte nur ein geringer Teil erhalten werden, und in den meisten Fällen mussten sich denkmalpflegerische Maßnahmen auf die Straßenfronten der Anwesen beschränken. So blieb das Freilichtmuseum meist die einzige Möglichkeit, wenigstens einige ländliche Baudenkmäler vor der Zerstörung zu bewahren und in ihrem Altzustand zu erhalten.


Menschen laufen zur Spieler Mühle, wo die EInweihnung stattfinden soll.

1958 Beginn der Arbeiten

Im Herbst 1958 begannen die Arbeiten im Freilichtmuseum mit den ersten Abtragungen, und im Juni 1959 konnte im ersten wieder aufgebauten Gebäude, dem Haus aus Scheuerheck, Richtfest gefeiert werden. Im November desselben Jahres war die Windmühle aus Spiel wieder errichtet. Die Aufbauplanung für das Museumsgelände sah von Anfang an die Aufteilung in vier durch Waldstücke voneinander getrennte Baugruppen vor, die vier Regionen des Rheinlands entsprechen. Die Standorte der Baugruppen im Museumsgelände und die Anordnung der Gebäude in den Baugruppen wurden in Anlehnung an die für diese Regionen charakteristischen Siedlungslagen und -strukturen gewählt.

Insgesamt galt und gilt als Einzugs- und Sammlungsbereich des Museums die ehemalige, 1822 vom Königreich Preußen errichtete „Rheinprovinz" , also nicht nur der heutige Landesteil Nordrhein, sondern auch der nördliche Teil des heutigen Landes Rheinland-Pfalz bis zur Mosel und Lahn. Damit kam im Übrigen neben dem rheinischen auch der zu Rheinland-Pfalz gekommene ehemals nassauische Teil des Westerwalds zu den vom Rheinischen Freilichtmuseum erfassten Gebieten.


Eine Ausflugsgruppe in der Baugruppe Eifel

Die Baugruppen

Begonnen wurde der Aufbau im Museum mit der Baugruppe Eifel, die auch das nördliche Eifelvorland einbezieht. Mit den ersten in dieser Baugruppe errichteten Gebäuden (und der Windmühle aus Spiel) wurde das Rheinische Freilichtmuseum am 20. Juli 1961 eröffnet. Heute umfasst diese Baugruppe 26 Einzelbauten in 8 Hofanlagen; 16 weitere Gebäude sollen in den nächsten Jahren folgen und die Baugruppe vervollständigen. Mit den bisher übernommenen Gebäuden ist allerdings nur der nördliche Teil der Eifel, in dem bis zum vorigen Jahrhundert der Fachwerkbau vorherrschte, erfasst. Das Steinbaugebiet der südlichen und südwestlichen Eifel ist noch nicht mit Gebäuden vertreten.


Die Baugruppe Westerwald im Aufbau

1964 begann der Aufbau der Baugruppe Westerwald / Mittelrhein. Hier stehen Bauten aus dem Westerwald zwischen Siegtal im Norden und Lahntal im Süden und vom Rheintal zwischen Bonn und Koblenz und seiner Umgebung. Die Aufteilung in der Baugruppe ist so gewählt, dass auf der – vom Eingang her gesehen – rechten (westlichen) Seite des Wegs die Westerwaldhäuser stehen, auf der linken die Häuser von den Randlandschaften des Rheintals, wobei sich allerdings zwangsläufig einige Überschneidungen ergeben: so gehört das Haus aus Hanf seinem Herkunftsort nach sowohl zur natürlichen Landschaft des Westerwaldes wie zur historischen des Bergischen Landes, und die Gebäude aus Oberbreisig und Löhndorf kommen aus Eifel-Nebentälern des Mittelrheins.

Geringer ist der Bestand sowohl an wieder aufgebauten als auch an bisher abgebrochenen Gebäuden in den beiden jüngsten Baugruppen. In der Baugruppe Niederrhein begann der Aufbau 1972 im Anschluss an die beiden Windmühlen. Hier sind bisher drei Hofanlagen aus Mönchengladbach, Korschenbroich und Viersen errichtet worden. Zudem hat der Nachbau eines Korbmacherhauses aus Hilfarth hier seinen Platz gefunden.

Seit 1981 sind auch die ersten Häuser der Baugruppe Bergisches Land für den Besucher zugänglich. Angesichts der Größe und Vielgestaltigkeit der bergischen Hauslandschaft ist diese Baugruppe mit derzeit sieben Einzelbauten im Museum noch sehr lückenhaft. Gleichwohl vermögen die bisher übernommenen und wieder aufgebauten Gebäude sowohl wichtige Bautypen wie auch charakteristische Entwicklungen im bergischen Hausbau zu zeigen. Das Bergische war aber nicht nur bäuerliches Land, sondern auch früh schon industrialisiert. Dem trägt im Museum die Zweiteilung der Baugruppe in einen bäuerlichen und einen gewerblichen Teil Rechnung. Mittelpunkt des Letzteren bildet derzeit das bereits aufgebaute Haus der Unternehmerfamilie Mannesmann.


Gäste bei der Eröffnung der Ausstellungshalle 1969

Landesmuseum für Volkskunde

Die Sammlungstätigkeit des LVR-Freilichtmuseums Kommern beschränkte sich von Anfang an nicht nur darauf, Gegenstände für die Ausstattung der Museumsbauten zu erwerben. Sie umfasste vielmehr den gesamten Bereich der Sachgüter der rheinischen Volkskultur, für die es bis dahin noch keine zentrale Sammelstätte gab. Schon in den ursprünglichen Konzeptionen war der Ausbau des Freilichtmuseums zu einem rheinischen Volkskundemuseum vorgesehen; dieser Plan wurde in der ersten Aufbauphase zwar zugunsten der Freilicht-Abteilung zurückgestellt, aber nicht aufgegeben. Als erster Ansatzpunkt für die künftigen neuen Museumsgebäude entstand 1963-64 das Hauptmagazin für Museumsgut, über dem 1966-67 die erste Ausstellungshalle errichtet wurde. Seit dem 12. Juni 1969 fand das erweiterte Programm des Rheinischen Freilichtmuseums in dem Namenszusatz „Landesmuseum für Volkskunde" Ausdruck. In der Halle wurde ab 1968 die Ausstellung „Volkskunst im Rheinland", ab 1971 die Ausstellung „Puppen und ihre Welt" gezeigt. 1974 konnten Verwaltung und Werkstätten aus ihrem alten Domizil im Dorf in einen Neubau im Museumsgelände umziehen, und 1975-77 erfolgte dann der Ausbau des Landesmuseums durch die Errichtung von drei Ausstellungspavillons. In ihnen sind seitdem größere Bestände aus den Museumssammlungen in Wechsel- oder vieljährigen Dauerausstellungen gezeigt worden. Derzeit erinnert in den Pavillons die Ausstellung „Schöne Neue Welt" an die Auswanderungen aus dem Rheinland nach Amerika. Mit der durch ihren „Szenencharakter" in der Museumslandschaft innovativen Dauerausstellung „WirRheinländer", die 2006 in einer eigens hierfür errichteten Halle eröffnet worden ist, bietet das Rheinische Freilichtmuseum erstmals im Rheinland eine museale Gesamtschau der jüngeren rheinischen Geschichte.

Ethische Richtlinien für Museen von ICOM

Leitfaden zum nachhaltigen Sammeln des DMB


Öffnungszeiten

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Kontakt

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Förderverein

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WaldPädagogikZentrum Eifel

Das "WaldPädagogikZentrum Eifel" (WPZ) ist aus einer Kooperation des Landschaftsverbandes Rheinland und dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW entstanden. Es befindet sich im LVR-Freilichtmuseum Kommern.

Portal Alltagskulturen

Das Freilichtmuseum ist Teil des DFG-Projektes "Digitales Portal Alltagskulturen im Rheinland – Wandel im ländlichen Raum 1900-2000“.

Portal Alltagskulturen im Rheinland