Bergisches Land

Haus aus Kalsbach Blick über einen Teich auf das Haus aus Rhinschenschmidthausen Haus aus Rhinschenschmidthausen Mannesmann-Haus aus Bliedinghausen Haus aus Eulenbruch Blick auf das Haus aus Kalsbach

Das Bergische Land ist ein Mittelgebirge rechts des Rheins zwischen Ruhr und Sieg. In seinem größten Teil ist es ein beschwerliches Gebiet: Die Niederschläge sind hoch und das Gelände ist sehr unregelmäßig geformt. Viele Bäche haben sich in die Hänge eingegraben. In der Zeit vor dem Eisenbahnbau waren die Täler oft sumpfig, es gab dort kaum einen Fleck, an dem man hätte bauen können. Deshalb entstanden die ersten Dörfer auf den Höhenrücken zwischen den Wasserläufen. Dort oben führten auch die Fernwege entlang. Der Platz auf diesen Bergkuppen war aber klein, und als im Spätmittelalter die Zahl der Menschen wuchs, ließen sich die Dörfer nicht erweitern.

Weiter unten, auf halber Höhe am Hang, baute man neue Häuser. Zunächst umfassten diese neuen Siedlungen nur einen einzigen Hof. Bald aber nahm die Zahl der Einwohner auch in diesen neuen Orten zu und es wurden weitere Häuser gebaut: Ganz nach Bedarf errichtete man neue Höfe in der Nähe der bereits vorhandenen. Die Häuser standen nicht aufgereiht an einer gemeinsamen Straße, sondern ungeordnet beieinander. Diese ungeordnete Ansammlung von Bauernhöfen nennt man Weiler. Selbst wenn ein bergischer Weiler groß ist und 20 Häuser oder mehr umfasst, unterscheidet er sich noch heute von einem Dorf. Ihm fehlt nämlich die Kirche. Weiler bilden also keine eigene Gemeinde.

Hof- und Siedlungsformen

Einzelhöfe und Weiler prägten das Bild des Bergischen Landes. Wohn-Stallhäuser bildeten mit separaten Scheunen und Speichern die Hofanlagen.
Die Bauernhäuser vereinten Wohnung und Stall unter einem Dach. Für die bäuerlichen Hofanlagen im Bergischen Land hatte die Viehhaltung größere Bedeutung als der Ackerbau. In den Tiefställen konnten die Tiere den ganzen Winter über „aufgestallt" werden. Die Futtertröge hingen an Ketten und konnten mit den anwachsenden Mistschicht „mitwachsen".
Angebaut wurden im Bergland vorwiegend Hafer und Roggen, nur in der fruchtbaren Rheinebene gelang der Weizenanbau.
Schon früh wurde das Bergische Land zu einer bedeutenden Industrieregion. Diese Situation sorgte dafür, dass die wirtschaftliche Situation in der Region stabiler bleib als in anderen. Bauern, die in Not gerieten, konnten vor Ort als Arbeiter ein Auskommen finden.


Haus aus Kalsbach

1667 wurde dieses Haus in der oberbergischen Herrschaft Gimborn in Geschoss-Bauweise errichtet. Es diente einer mittelmäßig wohlhabenden Bauernfamilie als Wohnhaus, Stall und Wirtschaftsgebäude in einem. In der Giebelwand können Sie auf Dachhöhe eine Tür sehen. Sie öffnet den dahinterliegenden Dachboden zur Straße. Durch diese Ladetür im Giebel wurde zur Erntezeit Hafer, ein wenig Roggen und das wichtige Handwerksmaterial Stroh in das Haus geholt. Ab dem 19. Jahrhundert baute man vermehrt Kartoffeln an, und auch diese Nahrungsmittel wurden auf dem Dachboden gelagert. Der Dachboden war Dreschplatz des Hofes und zugleich der Speicher für die Ernte.

Waren die geernteten Getreidegarben auf dem Speicher eingebracht, blieben sie liegen bis zum Drusch. Gedroschen wurde nach Bedarf: Entweder drosch man jeweils die Getreidemenge aus, die man verzehren wollte, oder man drosch soviel, dass genug Stroh für die anstehenden Flechtarbeiten frei wurde. Die Zeiteinteilung konnte aber auch verlangen, die gesamte Ernte komplett zu dreschen und Stroh und Getreide getrennt zu lagern. Das hatte außerdem den Vorteil, aus dem gesamten Getreideertrag bereits vor dem ersten Kochen oder Backen die besonders großen Körner heraussortieren zu können. Dies geschah zugleich mit dem Wegblasen der Spreu. Als Saatgut wurden diese großen Körner für das kommende Jahr eingelagert.


Herdraum

Der Herdraum ist mit Originalinventar ausgestattet, das 1962 beim Abbau des Gebäudes vom Museum übernommen wurde. Auch die Möbel in der Stube rechts hinter dem Herdraum sind original, und auch das meiste landwirtschaftliche Gerät in der vorderen Kammer über dem Stall. Fest eingebaut ist die sogenannte Takenplatte. Sie leitet die Wärme des offenen Feuers durch die Wand in die dahinterliegende Stube. Sie ist über einhundert Jahre älter als das Haus und zeigt ein Motiv der Frührenaissance. Das Haus selbst zeigt im Innern die Verbindung von Wirtschafts- und Wohnfunktion:

verschiedene Bereiche sind unter einem Dach versammelt. Deshalb ist das Haus innen weniger großzügig, obwohl es von außen vergleichsweise groß wirkt. Es handelt sich um eine Mischform zwischen einem großen Ein-Dach-Hof, der alle Funktionen in einem Haus vereinigen konnte, und einem Bauernhaus der Mittelgebirge mit seiner vergleichsweise kleinen Grundfläche.

Überdies wurde das Haus bereits 1713 zwischen zwei Erben geteilt. Im 19. Jahrhundert gehörte eine Haushälfte der Familie Wirth. Sie hatte die Haushälfte zu ihrem Haupthof hinzugekauft und besaß den zweitgrößten Grundbesitz des Dorfes.


Herdraum/Tiefstall

Links vom Herdraum haben Sie den Stall: Nur durch eine niedrige Verbretterung ist er von der Küche getrennt. Wenn sie den Kopf unter dem Sturz einziehen und in den Stall hineinschauen, erkennen sie, dass seine Wand bis fast auf halbe Höhe aus Stein besteht. Darüber ist das Haus aus Fachwerk. Dieser Steinsockel war notwendig, weil das Holz in den Fachwerk-Wänden durch den Mist der Tiere bald verfault wäre. Kühe standen in diesem Stall. Wegen der schlechten Witterung im Bergischen Land verbrachten sie hier den langen Winter. Doch solch ein Stall hat Besonderheiten. Warum sind die Steinmauern so hoch, wenn der Mist doch am Boden liegt, und weshalb hängen die Futtertröge an Ketten?

Die Antwort ist einfach: Der Dung der Tiere, vermischt mit Einstreu, schichtete sich den Winter über auf, weil erst im Sommer, wenn die Tiere wieder auf die Weide durften, ausgemistet werden konnte. Wenn aber das Mist-Polster wuchs, standen auch die Kühe immer weiter oben. Deshalb mussten die Futtertröge im Lauf der Wochen angehoben werden. War der Stall ausgemistet, so wie Sie ihn jetzt sehen, dann ließ man die Tröge wieder nach unten herab.


hintere Kammer

Wie alle Möbel in diesem Haus ist auch der Tisch in der Wohnstube Originalinventar. Er zählt zu Anschaffungen, wie sie Maria Margaretha Wirth im Rechnungsbuch der Familie verzeichnet haben mag. Sie wurde 1819 geboren, und als sie den zweiundzwanzig Jahre älteren Johann Peter Wirth heiratete, wurde sie Hausherrin - vor einhundertfünfzig Jahren eine zwiespältige Rolle. Sie musste zeitgleich Familienmutter und volle Arbeitskraft sein. Sie besaß gegenüber Kindern und unverheirateten Geschwistern Autorität und doch hatte der Hausherr das unumschränkte Recht. Den Ehepartner selbst wählen durfte noch keiner der beiden, denn die Ehe war gerade auf dem Land nach wie vor eine Wirtschaftsgemeinschaft. Alles Materielle war streng geregelt. Den Besitz und landwirtschaftlichen Ertrag kontrollierte man genau.


Knecht-Schlafstelle

Eine solche, zum Stall halboffene Kammer hatten viele Häuser im Oberbergischen Land. Vermutlich diente sie als Schlafplatz für den Knecht. Hier wärmten ihn die nahen Tiere und früh morgens wachte er direkt an seinem Arbeitsplatz auf.


Haus aus Eulenbruch

Der Weiler Eulenbruch umfasste 14 Häuser, in denen Mitte des 19. Jahrhunderts 68 Menschen lebten. Dieses Haus stand in Eulenbruch schon seit 1743. Zu dieser Zeit war es auch im Bergischen Land Mode geworden, Häuser stockweise zu errichten: Das Erdgeschoss wurde für sich allein gezimmert und dann das Obergeschoss mit neu ansetzenden Hölzern als zweiter Stock oben darauf gesetzt. Dafür gab es verschiedene Gründe.

In der Baugruppe Niederrhein, im Haus mit der Nummer 57, wird dieHolzkonstruktion genau erklärt. Über Jahrhunderte war eine andere Bauform üblich gewesen der sogenannte Geschossbau. Im Zeitalter des Barock, als dieses Haus errichtet wurde, galt der Geschossbau als altmodisch.

Wenn Sie sich die senkrechten Ständer an den Ecken des Hauses anschauen, werden Sie beim ersten Blick glauben, sie bestünden aus zwei Stücken: unten ein Ständer für das Erdgeschoss, darauf gesetzt ein zweiter für den ersten Stock. Bei genauem Hinschauen kann man aber erkennen, dass der Eckständer aus einem durchgehenden Stück Holz besteht: Das Haus sieht nur so aus, als ob es ein moderner Stockbau wäre. In Wahrheit ist es ein altertümlicher Geschossbau, obwohl das Haus erst Mitte des 18. Jahrhunderts entstand.

Dass ein moderner Baustil vorgetäuscht wurde zeigt uns: Mode war immer schon entscheidend für das, was die Menschen als schön empfanden. Dass die Bewohner dieses Hauses auch Grund hatten, sich ein „Status-Symbol“ zu bauen, können Sie im Inneren erfahren.


Herdraum

Die Küchengeräte hängen an Haken an der Fachwerkwand rechts des Feuers, in die eigentliche Arbeitsecke am offenen Feuer fällt wenig Sonnenlicht, weil die Decke besonders tief liegt. Es handelt sich um ein sogenanntes Wohnstallhaus. Bei ihm sind die meisten Wirtschaftsräume, vor allem der Stall, mit den Wohnräumen im selben Gebäude untergebracht. Allerdings wird der Rauch in diesem Haus schon durch einen hölzernen Abzug zum Dach hinauf abgeleitet. Und anders als im ansonsten vergleichbaren Haus aus Kalsbach (das ist das gegenüberliegende Haus Nummer 62) ist hier der Stall vom Wohnteil des Hauses durch eine Innenwand getrennt. Außerdem besaßen die Bewohner hier auch einen Keller. Er liegt unter der Stube. Dadurch schafft man nicht nur zusätzlichen Lagerplatz, sondern es bleibt die Wohnstube auch wärmer. Für die Ernte besaß der Bauernhof aus Eulenbruch eine gesonderte Scheune. Auch im Museum steht heute eine Scheune neben dem Haus. Die Erbauer dieses Hofes waren also insgesamt wohlhabender, als die bergischen Durchschnitts-Bauern ihrer Zeit.


Stube: Takenschrank

Dieses Möbelstück mit Gittern als Türe steht vor der Takenplatte, die den Raum heizt, indem sie die Wärme des Küchenfeuers an die Stube weitergibt. Besonders Gegenstände, die Trocken bleiben sollten, wurden daher im Takenschrank aufbewahrt, wo sie fortwährend gewärmt wurden.


Treppenhaus

Links zur Straßenseite hin haben Sie die Schlafkammer, ein großer Raum. Rechts der Treppe befinden sich Vorratsräume, beispielsweise für Futter. Unter den beiden Räumen liegt im Erdgeschoss der Stall.

In den Vorratsräumen ist Gerät ausgestellt, das der Konservierung und Lagerung von Lebensmitteln diente. Zum Beispiel die Obsthürden, auf denen Früchte gedörrt werden konnten. Das Trocknen von Obst war eine wichtige Konservierungs-Methode, solange es keine Kühlhäuser gab.

Manche Gemüsesorten wurden luftig auf Gattern gelagert oder konnten in Erdmieten oder sandgefüllten Fässern den Winter überdauern. Zuckerreiche Früchte hingegen ließen sich auf diesen Weise meist nicht vor Verderben schützen. Sie mussten in der Sonne getrocknet werden. Nach dem Brotbacken konnte man auch in der restlichen Hitze des Backofens trocknen. Wer heute Dörrobst als Nascherei kennt, weiß, dass das Trocknen den Zucker im Obst konzentriert, etwa bei Rosinen. Außer Dörrobst gab es nur Honig oder eingedickten Obstsaft, um Speisen zu süßen.


Haus aus Rhinschenschmidthausen

Schon auf den ersten Blick hebt sich das Haus aus Rhinschenschmidthausen ab von den meisten anderen Gebäuden, die im Museum bewahrt werden: Als einziges wird es vom Baumaterial Stein geprägt.

Aber nicht nur die gekalkten Bruchsteinmauern machen das Haus bemerkenswert. Rhinschenschmidthausen ist ein Ort im Märkischen Sauerland, an der bergisch-märkischen Grenze. Dies ist die Übergangszone zwischen den Mittelgebirgen und Norddeutschland. Im Sauerland baute man wie in Norddeutschland einen Bauernhof als Hallenhaus: das ist ein durch eine große Längsdiele geprägtes Haus, das sämtliche Einrichtungen des Hofes aufnimmt.

Auch das Haus aus Rhinchenschmidthausen ist ein derartiges Hallenhaus. Es hat aber Eigentümlichkeiten, die es als eine Übergangsform an der Grenze zweier Landschaften ausweisen: Anders als die „klassischen“ Hallenhäuser ist das Gebäude aus dem Sauerland im vorne liegenden Wirtschaftsteil zweistöckig. Damit ähnelt es den zweigeschossigen Wohnhäusern aus dem Bergischen Land. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse des Märkischen Landes ähneln jenen des Bergischen Landes stark. Und daher ist das Hallenhaus aus Rinschenschmidthausen klein und bescheiden. im vergleich zu den großen Hallenhäuser Norddeutschlands. Dort konnte die Dielen mit den seitlich gelegenen Ställen für sehr viel mehr Kühe durchaus doppelt so lang sein.


Diele

Das Leben in einem solchen kleinen Hallenhaus unterschied sich nicht wesentlich vom Wohnen und Arbeiten in den großen Fachwerk-Hallenhäusern Norddeutschlands: Anders als in den Häusern der Mittelgebirge war die Diele der zentrale Raum, gleichsam ein überdachter Hofplatz. Rechts liegt der Stall für die Milchkühe, links standen die Arbeitspferde. In der Diele wurde nicht nur das Vieh versorgt und zum Beispiel Getreide gedroschen, auch das Gerät des Hofes wurde hier aufbewahrt. So hängt links an der Wand ein Holzgitter mit zugespitzten Zinken aus Holz: eine Egge. Von einem Pferd über den Acker gezogen, lockert die Egge die Oberkrume, ohne den Boden wie ein Pflug zu wenden (was nicht immer sinnvoll ist). Dabei reißt sie auch Pflanzen heraus. Vor allem zum Bereiten des Saatbetts, aber auch zur Unkrautbekämpfung werden Eggen bis heute eingesetzt.

Links vorne in der Diele, abgetrennt vom Pferdestall, ist die Hof-Werkstatt untergebracht. Die Bewohner des Hofes wollten von Handwerkern unabhängig sein. Denn ein Schmied kostete nicht nur Geld, er war auch nicht immer gleich zur Stelle. Manch eine Reparatur musste aber sofort ausgeführt werden, damit die Arbeit auf dem Acker nicht ins Stocken kam.

Am Ende der Diele sehen sie eine hölzerne Bühne, die auf Höhe des ersten Stocks in den Raum vorragt: Sie überdeckt nur den Herdraum und ist zur Diele hin offen. Diese halbe Geschossdecke diente als Lagerplatz für Getreide und Saatgut. Meist wurden die Körner lose aufgeschüttet, damit sie offen an der Luft lagen. Diese Luft war rauchgeschwängert. Das Haus hat weder Schlot noch Abzugsloch, so dass der Rauch des Küchenfeuers durch Fenster und Türen abziehen musste. Bis er dorthin gelangte, strömte der heiße Rauch zunächst von der Herdstelle nach oben und waagerecht unter der Rauchbühne entlang.

Um die Vorderkante der Bühne zog der Rauch hinauf: So wie Räuchern Schinken konserviert, wurden die Getreidekörner vom Rauch gegen Pilze geschützt. Das war sehr wirksam. Die Wirkung des Rauchs zeigte sich auch bei den Menschen, die ihm innerhalb des Hauses nicht entgehen konnten. Oft litten sie unter Atembeschwerden. Trotzdem traten laute Klagen über Luftverschmutzung erst zu Beginn der Industrialisierung auf, als das Brennholz durch die schwefelhaltige Steinkohle ersetzt wurde. Auf der Rauchbühne wurde nach der Ernte das Getreide eingelagert. Eine sorgfältige Lagerung der Ernte war nicht nur notwendig, um den Vorrat an Brotgetreide vor Feuchtigkeit zu schützen. Ebenso wichtig war für die Bauern, für das kommende Jahr Saatgut zu haben: Es gab noch keine Saatgut-Firmen, die Jahr um Jahr sorgfältig gezüchtete Getreidesorten an die Landwirte verkaufte. Der einzelne Hof musste sich selbst um seine Samen bemühen.

Weil die Höfe und Dorfgemeinschaften ihr eigenes Saatgut erzeugten, gab es keine gezielte Züchtung. Die pragmatische Selbsterzeugung von Saatgut bedeutet aber nicht, dass die Getreidepflanzen damals minderwertig gewesen wären. Die Pflanzen wurden über Jahre und Generationen hinweg auf immer dem gleichen Ackerboden im gleichen Klima gezogen. Deshalb passte sich das Getreide auf natürliche Weise an die regionalen Bedingungen an. Nutzpflanzen konnten zu dieser Zeit nicht zielstrebig auf hohen Ertrag gezüchtet werden. Doch auf ganz zwangsläufigem Weg hatte jedes Dorf, jede Region Saatgut, das am zuverlässigsten war.

Die Rauchbühne ist also Zeugnis einer sich selbst-erhaltenden Wirtschaftsweise. Sie hatte enge Grenzen, aber besaß alle Vorteile pragmatischer Einfachheit.


Lucht

Die Lucht ist der Arbeitsplatz der Bäuerin. Haushälterisches Wesen beherrschte unsere Frauen so stark, dass sie sich auf kein anderes als die Hausgeschäfte legten, die sie mit der genauesten Aufsicht besorgten und ihr scharfes Regiment und Sparsamkeit bisweilen wirklich so weit ausdehnten, dass man es den Eheherrn und den Kindern an den dünnen Lenden und schmalen Backen wohl ansehen mochte. Eine solche Frau war in ihrem Haus immer die erste aus dem Bett und die letzte darin; keine Kleinigkeit entging ihrem wachsamen Auge; aller Orten trat sie den Mägden auf die Eisen.

Die Hausfrau verbrachte außerhalb der Erntezeit einen großen Teil ihres Lebens an diesem Platz: vorne das heiße Feuer, von hinten die zum Feuer hinfließende Zugluft aus der offenen, kalten Diele. Rheuma und Hautentzündungen waren weibliche Berufskrankheiten.

Das Leben der Menschen war ganz der Gemeinschaft und dem Arbeiten gewidmet und kannte keine Privatsphäre. Der Frau des Hauses kam die Rolle zu, dies zu überwachen. Sie kontrollierte das Verhalten und die Arbeitsleistung aller untergeordneten Mitglieder der Hof-Familie. Ihr Platz im zentralen Herdraum war der Ausdruck dieser Rolle. Die Hausfrau ihrerseits wurde von ihrem Mann kontrolliert. Der Bauer repräsentierte als Besitzer des Hofes das „ganze Haus“ nach außen hin und stand seinerseits dem Grundherrn wie ein rechtloser Knecht gegenüber.


Salzkasten

Dieser hölzerner Kasten ist an der Wand befestigt und diente zum Aufbewahren von Salz. Er hat eine Schwenk-Klappe, durch das Salz prisenoder faustweise entnommen werden konnte. Salz wurde an der Küste durch Verdunsten von Meerwasser in flachen Becken unter der Sonne gewonnen. Man konnte es auch an manchen Plätzen im Binnenland erzeugen, durch Eindampfen von salzhaltigem Quell- oder auch Brunnenwasser. Das Salz war nicht nur ein wichtiges Konservierungsmittel, und deshalb seit jeher begehrt. Im bäuerlichen Haushalt war es auch das teuerste Gewürz neben den selbsterzeugten Kräutern. Salz war eines der wenigen Lebensmittel, die sogar auf einem großen Hof zugekauft werden mussten. Deshalb brachte es den Hof in unmittelbare Abhängigkeit zum Rest der Welt. Durch diese Besonderheiten bekam Salz beinahe symbolische Bedeutung. Damit es trocken blieb, wurde es in der Nähe des Herdes aufbewahrt.


Vorratskammer

Hier wurden alle Lebensmittel aufbewahrt, die nicht im Rauch konserviert wurden. Milch beispielsweise wurde haltbar gemacht, indem man sie zu Käse verarbeitete - eine sehr wichtige Küchenarbeit. Denn im Winter wurde durch das schlechtere Futter aber auch wegen des Jahreszyklus’ der Tiere die Milch knapp.

Auch Butter konnte man ohne Kühlschrank längere Zeit aufbewahren, indem sie stark gesalzen wurde. Außerdem konnte man durch die Verdunstungskälte von Wasser Gefäße kühl halten. Eine andere Konservierungsart war das Trocknen.

Die Geräte für diese Arbeiten können Sie in der Vorratskammer sehen, zum Beispiel die Milchschalen, in denen die Milch aufrahmen konnte. Um Schädlinge fernzuhalten, wurde Brot oder auch Obst in die freihängenden Körbe gelegt, die an der Decke befestigt sind. Die Mausefalle unter dem Tisch war trotzdem wichtig.


Stube

Die Stube ist eingerichtet im Stil des Biedermeiers, der Zeit zwischen Napoleon und dem Revolutionsversuch von 1848. Das Bauernhaus wurde gut hundert Jahre vorher errichtet und blieb unverändert, weil sich zum Beispiel die Haustechnik kaum veränderte. Hingegen passte man die Möbel der jeweiligen Mode an. Meist wurden neue Möbel gekauft, wenn die ererbten Stücke verschlissen waren. Doch hatte man das Geld dafür übrig, ging man schon vorher mit der Mode. Eine nachträgliche Anschaffung in diesem Haus war auch der schwarze eiserne Säulenofen, der den Fenstern gegenübersteht.

Ursprünglich wurde die Stube nur vom Herdfeuer aus erwärmt. Eine eiserne Platte in der Trennwand, die sogenannte Takenplatte, gab die Hitze des Feuers an die Stube ab. Links neben dem Säulenofen können sie ein mit Holzgitter abgedecktes Loch in der Wand sehen: Auf dessen anderer Seite ist die geschwärzte Eisenplatte eingebaut. Diese indirekte Heizung durch die Takenplatte ist ein weiteres Merkmal für die Grenzlage dieses Hauses. Denn während im Bergischen Land Takenplatten üblich waren, besaßen die norddeutschen Hallenhäuser solche indirekten Heizungen normalerweise nicht.


Garnkasten aus Barmen-Öhde

Ein solches Lagerhaus für Garn gehörte zur Herstellung des Garnes, zum Bleichen. Das Bleichen ist ein langwieriger Prozess. Rohgarn und fertig gebleichtes Garn mussten vom Bleicher in größeren Mengen aufbewahrt werden, und dazu benutzte er diesen Garnkasten.

Das Garn zu bleichen, also die natürliche Farbe zu entfernen um einen weißen Stoff zu erhalten, geschah über Jahrhunderte nur für teures Tuch. Oft verwendete man dazu die ausbleichende Wirkung der UV-Strahlung, indem man die fertigen Tücher oder das Garn dem Sonnenlicht aussetzte. Manche Bleicher behandelten das Garn auch mit ausgelaugter Holzasche. Ein besseres Ergebnis gibt aber die Verwendung von sogenannter Pottasche. Das ist ein chemisch weitgehend reines Salz, das seit Mitte des 17. Jahrhunderts aus Holzasche gewonnen werden konnte. Für ein Kilogramm Pottasche benötigt man jedoch rund eine Tonne Holz als Rohstoff, bei Fichtenholz sogar zwei Tonnen. So war Pottasche von Anfang an ein kostbares Hilfsmittel und wurde im 19. Jahrhundert ausgesprochen rar.


Mannesmannhaus aus Remscheid

Das Mannesmannhaus aus Remscheid-Bliedinghausen ist ein charakteristisches gutbürgerliches Wohnhaus, wie es sich in den niederbergischen Städten Wuppertal, Remscheid oder Solingen entwickelt hat. Es spiegelt den Aufstieg dieser Region. Der älteste Teil des Gebäudes wurde Mitte des 18. Jahrhunderts als bodenständiges bergisches Fachwerkhaus mit verschieferter Fassade errichtet.

Als der Feilenhauer Johann Heinrich Mannesmann sich in Bliedinghausen niederließ, konnte er 1795 nach gut zwanzig Jahren Arbeit dieses Haus und dessen Nachbar-Anbau kaufen. Kurz darauf gründete er eine eigene Firma. Das Unternehmen Mannesmann hatte unmittelbaren Anteil an der beginnenden Industrialisierung. Mit entsprechend steigendem Wohlstand bauten die Mannesmanns ihr Doppelhaus Anfang des 19. Jahrhunderts um. Doch zwei Generationen später genügte das Haus den Ansprüchen einer ausgesprochen erfolgreichen Fabrikanten-Familie nicht mehr und der Wohnsitz wurde in eine standesgemäße Villa verlegt. Trotzdem blieb das Haus im Familienbesitz und wurde 1916 erneut umgebaut.


Ziergarten

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Familie Mannesmann einen solchen Garten in Remscheid angelegt hatte. Wie die Hausfassade erinnert der Garten an barocke Vorbilder. Denn mit den geometrischen, umziegelten Rabatten sollte der Ziergarten vom Obergeschoss des Hauses aus einen gemäldeartigen Anblick bieten. Gleichzeitig diente dieser Garten auch der neuen bürgerlichen Lust am Flanieren. Noch um das Jahr 1800 hatte man keinen Sinn für das Spazieren gehen gehabt und sogar in Kurorten eng und ohne Parks gelebt. Sechzig Jahre später aber gehörte ein Ziergarten mit Wegen zum gehobenen bürgerlichen Anwesen.

Die früheren Bewohner des Hauses hätten wegen ihrer geringen Einkünfte noch einen Nutzgarten mit Gemüse vorgezogen.


Wegekreuz aus Broscheid

Ursprünglich fand sich dieses Wegkreuz beim Dorf Broscheid, wo es 1790 aufgestellt worden war – am Fuß des Kreuzes können Sie die Jahreszahl lesen. Am Kopf finden Sie die übliche Inschrift „I.N.R.I.“, die für die lateinische Namens-Formel steht: Jesus von Nazareth, König der Juden. Ungewöhnlich ist jedoch die bildliche Darstellung. Das Kreuz zeigt nicht den Körper Jesu, sondern lediglich sein Herz, den Kopf und Oberkörper und Hände und Füße mit den Wundmalen. Diese Körperteile sind umgeben von den Marterwerkzeugen. Nach den Leidenswerkzeugen Arma-Christi-Kreuze genannt, waren solche Wegekreuze an der Sieg und in Nordeifel und Vorgebirge verbreitet. Sie dienten den Ortsansässigen, die sie gestiftet hatten. Auf dem alltäglichen Weg zum Feld oder Markt erinnerten die Kreuze sie an die Begrenztheit weltlichen Strebens, an den eigenen Tod.

Auch bei Flurprozessionen der Gemeinde wurden Wegekreuze mit Sicherheit als Anlaufpunkt für das Gebet genutzt.